Der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland e. V. (ABiD) legt mit dieser
Verbandsposition seine abgestimmte Haltung zum Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes 2026
vor. Der Verband lehnt den Entwurf ab, da er den bestehenden Pflegenotstand verschärft,
zentrale Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention (Art. 19 UN-BRK) verletzt und
erhebliche Nachteile für pflegebedürftige Menschen sowie ihre Angehörigen mit sich bringt.

  • 1. Gefährdung selbstbestimmter Assistenzstrukturen
    Die geplante Abschaffung bzw. starke Einschränkung der Verhinderungspflege zerstört
    gewachsene Vertrauensverhältnisse und flexible Unterstützungsnetzwerke. Pflegebedürftige
    werden in unflexible Dienstleistermodelle gedrängt – ein klarer Rückschritt für
    Selbstbestimmung und Teilhabe.
  • 2. Steigendes Armutsrisiko und Re-Institutionalisierung
    Durch die Streichung des Entlastungsbetrags und die unzureichende Dynamisierung der
    Leistungen steigen die Eigenanteile deutlich. Viele Betroffene werden in die Sozialhilfe oder
    zurück in stationäre Einrichtungen gedrängt. Damit wird der Grundsatz „ambulant vor stationär“
    faktisch aufgehoben.
  • 3. Mehr Bürokratie und ungelöste Schnittstellen
    Statt Entlastung schafft der Entwurf neue Hürden für das Persönliche Budget und das
    Arbeitgebermodell. Die Schnittstellen zwischen SGB XI und SGB IX bleiben ungeklärt und
    führen weiterhin zu belastenden Zuständigkeitskonflikten.
  • Kernforderungen des ABiD e. V.
  • Rücknahme und grundlegende Überarbeitung des Gesetzentwurfs
  • Erhalt und Ausbau der Verhinderungspflege zur Sicherung stabiler
    Assistenznetzwerke
  • Weiterentwicklung der Pflegeversicherung zu einer solidarischen,
    bedarfsdeckenden Vollversicherung
  • Konsequenter Vorrang ambulanter Unterstützungsformen gemäß Art. 19 UN-BRK
  • Sofortige und verlässliche Dynamisierung aller Leistungsbeträge
    Der ABiD fordert eine Pflegepolitik, die Selbstbestimmung stärkt, Armut verhindert und die
    Teilhabe pflegebedürftiger Menschen nachhaltig sichert.
    Marcus Graubner
    Vorsitzender des ABiD e.V.

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