Am 9.2.2024 wurde das Positionspapier der AG Inklusive Medizin im Bayerischen
Hausärzteverband unter der Leitung von Frau Dr. Ute Schaaf beschlossen. Demnach sollen
alle ärztlich Tätigen in der patientennahen Versorgung Wissen und Kompetenzen bei der
Behandlung von Menschen mit geistiger und /oder komplexer Behinderung haben. Dies soll
bereits im Medizinstudium Inhalt darstellen. Das vollständige Positionspapier finden Sie hier
Der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland ABiD e.V. begrüßt die Forderungen und
schließt sich ihnen an.
Umgang und Besonderheiten in der Versorgung von Menschen mit Behinderungen müssen
für alle medizinisch Tätigen für eine bestmögliche und barrierearme medizinische
Versorgung sowie als Teil des gesellschaftlichen Verständnisses und gesellschaftlicher
Teilhabe vorhanden sein. Bisher fehlt diese Wissens- und Kompetenzvermittlung beim
Medizinstudium vollständig!
Medizinische Fortbildungen für Ärzt:innen über die Versorgung von Menschen mit
Behinderungen sind generell noch selten.
Dies muss allerdings dringend für einen Abbau von Barrieren und Bewusstsein von
Einschränkungen in der Versorgung und der Gesellschaft geändert werden. Dabei ist es
wichtig, spezifische Krankheitsbilder und daraus resultierende Einschränkungen sowie
Besonderheiten der Symptomschilderung zu verstehen. Auch Kenntnisse über barrierearme
Kommunikation, sozialmedizinische Aspekte und besondere Vulnerabilität für z.B. Gewalt
müssen erworben werden.
Das bisherige Fortbildungsmaterial ist allerdings noch deutlich ausbaubedürftig und steht
nicht flächendeckend kostenfrei zur Verfügung.
So gibt es beispielsweise von der Bayerischen Landesärztekammer eine ausführliche
Online- und Präsenz-Fortbildung in 3 Modulen in 100 Unterrichtseinheiten für 50
Fortbildungspunkte über „Medizin für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung oder
mehrfacher Behinderung“. Allerdings sind die Kosten hoch und der Teilnahmeaufwand für
den Erwerb eines Kammerzertifikats zeitlich und finanziell sehr groß, da sogar eine
Hospitation notwendig ist.
Auch die Deutsche Gesellschaft für Medizin für Menschen mit geistiger und mehrfacher
Behinderung e.V. weist auf ihrer Internetseite regelmäßig auf Fortbildungsveranstaltungen
hin.
Von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gibt es mittlerweile ein Fortbildungsmaterial
über barrierearmen Zugang zu medizinischen Praxen und Heilmittelverordnung.
Das reicht jedoch nicht!

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