Der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland e. V. (ABiD) und die Arbeitsgruppe Mobil
unter dem Vorsitz von Thomas Schirmer üben scharfe Kritik an der aktuellen Situation am
Berliner Hauptbahnhof. Nachdem inzwischen 35 von 52 Rolltreppen außer Betrieb sind, sieht
der Verband erhebliche Einschränkungen für Menschen mit Behinderungen, ältere Reisende und
Familien mit Kinderwagen. „Wenn an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte
Deutschlands zwei Drittel der Rolltreppen stillstehen, ist das kein technisches Detail, sondern ein
massives Barrierefreiheitsproblem“, erklärt der ABiD.
Der Berliner Hauptbahnhof wird täglich von rund 330.000 Menschen genutzt. Für viele Reisende
sind Rolltreppen nicht nur ein Komfort, sondern eine notwendige Voraussetzung, um die
zahlreichen Ebenen des Bahnhofs überhaupt bewältigen zu können.
Aufzüge allein ist keine Lösung!
Die Deutsche Bahn verweist darauf, dass weiterhin Aufzüge genutzt werden können. Aus Sicht
des ABiD greift dieses Argument jedoch zu kurz. Gerade am Berliner Hauptbahnhof sind die
Wege zwischen den Ebenen besonders lang. Die Aufzüge gelten als langsam und sind häufig
bereits stark ausgelastet. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bedeutet dies lange
Wartezeiten und zusätzliche Belastungen. Auch der Hinweis auf den Mobilitätsservice der
Deutschen Bahn, der bis zu 24 Stunden vorher angemeldet werden muss, wird kritisch gesehen.
„Spontanes Reisen muss auch für Menschen mit Behinderungen möglich sein. Barrierefreiheit
darf nicht davon abhängen, ob jemand einen Tag vorher einen Assistenzdienst organisiert“, so
der Verband.
Strukturelles Problem der Verkehrsinfrastruktur
Der aktuelle Vorfall zeigt nach Ansicht des ABiD ein grundlegendes Problem: Barrierefreiheit
wird bei Planung, Wartung und Ersatzinvestitionen noch immer nicht ausreichend priorisiert.
Wenn gleich 70 Rolltreppen bundesweit außer Betrieb genommen werden müssen, weil
technische Probleme auftreten, wirft das Fragen nach Wartung, Qualitätskontrolle und
Risikomanagement auf.
Forderungen des ABiD
Die Arbeitsgruppe Mobil des ABiD fordert daher:
- Sofortige Priorisierung der Reparatur und des Austauschs der defekten Anlagen
- Transparente Information für Reisende über funktionierende Wege im Bahnhof
- Dauerhafte Redundanz bei barrierefreien Zugängen, damit ein technischer Ausfall nicht zu
massiven Einschränkungen führt - Eine konsequent barrierefreie Infrastruktur an Bahnhöfen, wie sie auch die UNBehindertenrechtskonvention verlangt
Barrierefreiheit ist ein Grundrecht
„Barrierefreiheit ist kein Serviceangebot, sondern eine Voraussetzung für gleichberechtigte
Teilhabe am öffentlichen Leben“, betont Thomas Schirmer, Vorsitzender der Arbeitsgruppe
Mobil. Gerade an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt wie dem Berliner Hauptbahnhof müsse
gewährleistet sein, dass Menschen mit Behinderungen sich selbstständig, sicher und ohne
zusätzliche Hürden bewegen können.
Der ABiD wird die Entwicklungen am Berliner Hauptbahnhof und die Maßnahmen zur
Verbesserung der Barrierefreiheit aufmerksam begleiten und sich weiterhin für die Rechte von
Menschen mit Behinderungen einsetzen.
Berlin, 09.03.2026
V.i.S.d.P.
Marcus Graubner: Vorsitzender ABiD e.V.
Jörg Polster: Pressesprecher
Thomas Schirmer: AG Mobil Leiter